Methode zur Berechnung der Pulsbelastung von Zener-Dioden in der Eigensicherheit für Zener-Barrieren mit dem Schmelzintegrals und dem Kaltwiderstand und ihre Problematik

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Einleitung

In der Entwick­lung eigen­sicher­er Geräte ist die genaue Berech­nung der Puls­be­las­tung von Zen­er-Dio­­den essen­ziell, ins­beson­dere bei Geräten, die mit Net­zs­pan­nung betrieben wer­den. Die Fähigkeit, solche Puls­be­las­tun­gen kor­rekt einzuschätzen, stellt sich­er, dass die Zen­er-Dio­­den inner­halb ihrer sicheren Betrieb­s­gren­zen arbeit­en und somit die Integrität des gesamten Geräts gewahrt bleibt. In diesem Blog­post wird eine Meth­ode zur Berech­nung der Puls­be­las­tung vorgestellt, die das Schmelz­in­te­gral und den Kaltwider­stand berück­sichtigt. Obwohl diese Meth­ode nicht vol­lkom­men den physikalis­chen Gegeben­heit­en entspricht, ist diese Vorge­hensweise aus der Prax­is bekan­nt und wird von Entwick­lern und Her­stellern eigen­sicher­er Geräte, sowie von Prüf­stellen für die ATEX oder IECEx Zulas­sung ange­wandt. Es sind einige Kri­tikpunk­te an dieser Meth­ode ange­bracht, die in diesem Artikel aufge­führt wer­den. Vie­len Dank an dieser Stelle für die Kom­mentare und Hin­weise in diesem Zusam­men­hang. Es ist rat­sam im Zweifel eine prak­tis­che Prü­fung durchzuführen oder weit­erge­hende Infor­ma­tio­nen vom Her­steller der Dio­den und Sicherun­gen einzu­holen.

Die Bedeutung der Pulsbelastung

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Die Betra­ch­tung der Puls­be­las­tung ist von entschei­den­der Bedeu­tung, beson­ders bei Geräten, die mit Net­zs­pan­nung ver­sorgt wer­den. Die Zen­er-Dio­­den in solchen Bar­ri­eren wer­den oft durch eine Sicherung geschützt. Da Sicherun­gen aber im Ver­hält­nis zu Tran­sien­ten­vorgän­gen rel­a­tiv träge sind, kön­nen die Dio­den Pulsströ­men aus­ge­set­zt sein. Wenn diese Belas­tun­gen nicht kor­rekt berech­net und berück­sichtigt wer­den, kann es zu einem Aus­fall der Dio­den und im schlimm­sten Fall zu einem Sicher­heit­srisiko kom­men. Daher ist eine genaue und ver­lässliche Meth­ode zur Berech­nung der Puls­be­las­tung notwendig, um die Sicher­heit und Zuver­läs­sigkeit der Geräte zu gewährleis­ten.

Das Schmelzintegral

Das Schmelz­in­te­gral, auch bekan­nt als Gren­zlastin­te­gral oder i²t-Wert, ist ein Maß für die Kurzzeitüber­last­fähigkeit von elek­trischen oder elek­tro­n­is­chen Bauele­menten bei impuls­för­mi­gen Belas­tun­gen. Es beschreibt, wie eine Schmelzsicherung auf eine solche Belas­tung reagiert: Sobald der i²t-Wert erre­icht ist, wird die Sicherung schmelzen und somit den Stromkreis unter­brechen.

Der im Daten­blatt angegebene Norm i²t-Wert dient der Auswahl der Sicherung und gibt daher nur die Energie an, bei der der Sicherungs­draht anfängt zu schmelzen (Melt­ing i²t). Nach­dem der Draht geschmolzen ist, fol­gt eine Zeit, in der ein Licht­bo­gen ste­hen bleibt (Arc­ing i²t). Erst, wenn diese Zeit ver­strichen ist, öffnet die Sicherung. Die Gesamtzeit wird auch als Clear­ing i²t beze­ich­net, ist aber nicht im Daten­blatt angegeben.

Weit­er­führende Infor­ma­tio­nen sind im „Fuse­ol­o­gy Design Guide“ von Lit­tel­fuse zu find­en.

Fuse­ol­o­gy – Lit­tel­fuse

Der Kaltwiderstand

Der Kaltwider­stand ein­er Sicherung ist der ohm­sche Wider­stand, der in der Regel bei Raumtem­per­atur angegeben wird. Da der Wider­stands­draht ein­er Sicherung in der Regel aus einem Met­all beste­ht und somit Kaltleit­er sind, erhöht sich deren Wider­stand bei Erwär­mung. Der Kaltwider­stand ist also der Wert, bei dem die Sicherung nicht vom Strom durch­flossen ist. Im nor­malen Betrieb ist der Wert höher, wenn sich die Sicherung durch den Strom­fluss erwärmt.

Im Falle eines kurzzeit­i­gen Span­nungspuls­es, wirkt der ohm­sche Wider­stand strombe­gren­zend und kann den Pulsstrom lim­i­tieren.

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Vorstellung der verwendeten Parameter

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Um die Berech­nung präzise durch­führen zu kön­nen, müssen fol­gende Para­me­ter bekan­nt sein:

Uz_max = 19 V·1.05 = 19.95 V

Max­i­male Zen­erspan­nung: Die Span­nung, bei der die Zen­er-Diode im Durch­bruch arbeit­et unter Berück­sich­ti­gung von Tol­er­anzen. Im Beispiel: OnSe­mi 1N5356B

 

IR = 5.3 A @8.3ms

Der Pulsstrom wird als max­i­mal zuläs­siger, nicht wiederkehren­der Rechteck­strom mit ein­er Impuls­bre­ite (PW) von 8,3 ms angegeben.

 

SF1.5 = 1.5

Sicher­heits­fak­tor 1.5 zur Ein­hal­tung de 2/3 Kri­teri­ums aus der EN IEC 60079–11

 

SFfuse = 1.7

Sicher­heits­fak­tor 1.7 zur Berück­sich­ti­gung bei Ver­wen­dung des Nennstroms. Dieser Wert berück­sichtigt

 

Um_peak = 253 V·   2 = 357.8 V

Max­i­male Spitzenspan­nung die am Ein­gang der Bar­riere zuläs­sig ist.

 

IF1n = 50 mA

Nennstrom der Sicherung

 

Rcold_F1 = 11.34 Ω

Kaltwider­stand der Sicherung (Beispiel Lit­tel­fuse 242.125)

 

I2tfuse_F1 = 0.000103 A2·s

Schmelz­in­te­gral der Sicherung (Beispiel Lit­tel­fuse 242.125)

 

Berechnung der Dauerleistung

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Pz_const = IF1n·SFfuse·Uz_max = 50 mA·1.7·19.95 V = 1695.75 mW

Um die Zen­er-Diode kor­rekt zu dimen­sion­ieren muss noch ein Sicher­heits­fak­tor von 1.5 berück­sichtigt wer­den, um sicherzustellen, dass die Diode nicht mit mehr als 2/3 ihrer zuläs­si­gen Leis­tung belastet wird.

Pz_const_SF = Pz_const·SF1.5 = 1695.75 mW·1.5 = 2543.63 mW

 

 

Die Berechnung der Pulsbelastung

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Der max­i­male Pulsstrom wird aus der Spitzenspan­nung und dem Kaltwider­stand berech­net. Hier­bei ist zu berück­sichti­gen, dass bei ein­er Wech­selspan­nung zunächst der Spitzen­wert berech­net wer­den muss. Bei ein­er Gle­ichspan­nung gilt die definierte max­i­male Ein­gangss­pan­nung.

 

Ipulse = Um_peakRcold_F1 = 357.8 V11.34 Ω = 31.55 A

 

Mit Hil­fe des Schmelz­in­te­grals kann nun die Zeit berech­net wer­den, welche benötigt wird, um die Sicherung auszulösen bei dem zuvor berech­neten Pulsstrom. Hier ist anzumerken, dass die Zeit, welch­er der Licht­bo­gen noch ste­ht (Arc­ing time) nicht berück­sichtigt wird. Es müsste an dieser Stelle das “Clear­ing i2t” ange­wandt wer­den bzw. die eigentliche Öff­nungszeit der Sicherung bekan­nt sein. Die aus­gerech­nete Zeit kön­nte also um ein vielfach­es Länger sein.

 

tpulse = I2tfuse_F1Ipulse2 = 0.000103 A2·s(31.55 A)2 = 103.46 ns

 

Die Span­nung des Puls­es an der Zen­er-Diode ist durch die max­i­male Zen­er-Span­­nung begren­zt. Die max­i­male Zen­erspan­nung kann bei dem hohen Pulsstrom höher sein, als der im Daten­blatt angegebene Max­i­mal­w­ert. Der Span­nungsab­fall über dem Dif­feren­zial­wider­stand wird zur Max­i­malspan­nung addiert. Dieser ist allerd­ings für so hohe Ströme im Daten­blatt nicht angegeben und wird klein­er mit steigen­dem Strom. Es beste­ht die Möglichkeit die Zen­erspan­nung bei dem Pulsstrom über die Prü­fung für “Bes­tim­mung der Para­me­ter nicht genau fest­gelegter Bauteile” zu ermit­teln. Im Fol­gen­den wird mit der max­i­malen Zen­erspan­nung ohne Berück­sich­ti­gung des dif­feren­ziellen Wider­stands gerech­net. Da nun Span­nung, Strom und Zeit fest­gelegt sind, kann über diese Para­me­ter die Energie des Puls­es berech­net wer­den, die in der Diode umge­set­zt wird.

 

Epulse = Uz_max·Ipulse·tpulse = 19.95 V·31.55 A·103.46 ns = 65.13 μJ

 

Die zuläs­sige Energie der Diode muss dem Daten­blatt ent­nom­men wer­den. In diesem Fall wird sie über die Angaben zum max­i­malen Pulsstrom (Surge cur­rent) berech­net, welch­er hier bei 5.3 A liegt und für 8.3 ms anliegen darf.

 

Ez_pulse_permitted = Uz_max·IR·8.3 ms = 19.95 V·5.3 A·8.3 ms = 877.6 mJ

 

Es zeigt sich in diesem Fall, dass die Energie des Puls­es um mehrere Dimen­sio­nen klein­er ist, als die Zuläs­sige.

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Fazit

Die Berech­nung der Pul­slast der Zen­er-Dio­­den ist ein notwendi­ges  Unter­fan­gen, wenn Sicherun­gen ver­wen­det wer­den, um diese zu schützen. Das Ver­fahren dazu ist auch in der aktuellen Edi­tion 7 der IEC 60079–11 beschrieben. Sicher­lich sind einige Annah­men und Über­tra­gun­gen der Werte aus den Daten­blät­tern notwendig, die sich im Detail kri­tisieren lassen. Ins­beson­dere ist die Ver­wen­dung des Schmelz­in­te­grals auf diese Weise nicht kor­rekt.

Es ist sin­nvoll weit­erge­hende Infor­ma­tio­nen von den Bauteil­her­stellern einzu­holen oder die Para­me­ter über eine Prü­fung zu ermit­teln. Die 60079–11 bietet die Möglichkeit anhand von 10 Mustern einen Wert zu bes­tim­men, welch­er nicht im Daten­blatt gegeben ist.

Es sind auch weit­erge­hende Schutz­maß­nah­men denkbar, so kön­nten die Dio­den durch einen Wider­stand in Rei­he zur Sicherung vor höheren Pulsströ­men geschützt wer­den. Eben­so kann eine Berech­nung der Leis­tung des Puls­es weit­er­helfen, wenn die Dio­den eine max­i­male Pul­slast in Watt im Daten­blatt angegeben haben.

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Autor:
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Stef­fen Scholle

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