

Die Zündschutzart Eigensicherheit (Kennzeichen: Ex i) gilt als die sicherste und vielseitigste Methode, um elektrische Betriebsmittel in explosionsgefährdeten Bereichen einzusetzen. In diesem Beitrag erklären wir die grundlegenden Prinzipien, Einsatzbereiche und Vorteile dieser Zündschutzart.
Was ist Eigensicherheit?
Eigensicherheit ist eine Zündschutzart, bei der das elektrische Betriebsmittel so konstruiert ist, dass weder im Normalbetrieb noch im Fehlerfall genug Energie freigesetzt wird, um eine explosionsfähige Atmosphäre zu entzünden. Das Grundprinzip: Energie begrenzen statt kapseln.
Anders als bei anderen Zündschutzarten (z.B. druckfeste Kapselung) wird hier nicht versucht, eine Explosion einzuschließen. Stattdessen wird sichergestellt, dass eine Entzündung erst gar nicht stattfinden kann.
Die Schutzklassen: ia, ib und ic
Die Eigensicherheit wird in drei Schutzklassen unterteilt:
| Klasse | Sicherheitsniveau | Zone | Fehlerzahl |
|---|---|---|---|
| Ex ia | Sehr hoch | Zone 0/1/2 | Sicher bei 2 Fehlern |
| Ex ib | Hoch | Zone 1/2 | Sicher bei 1 Fehler |
| Ex ic | Normal | Zone 2 | Sicher im Normalbetrieb |
Ex ia ist die höchste Schutzklasse und darf sogar in Zone 0 (ständig vorhandene explosive Atmosphäre) eingesetzt werden.
Wie funktioniert Eigensicherheit technisch?
Das Herzstück eigensicherer Systeme sind Schutzschaltungen, die Strom und Spannung im sicheren Bereich halten:
- Zener-Barrieren: Einfache, passive Schaltungen mit Zenerdioden, die Spannung und Strom begrenzen. Günstig und zuverlässig, erfordern aber eine sorgfältige Erdung.
- Galvanische Trennkoppler (Isolatoren): Trennen den sicheren vom gefährlichen Bereich galvanisch. Flexibler einsetzbar, da keine Erdung im Ex-Bereich nötig.
- Integrierte eigensichere Geräte: Kompakte Geräte wie Messumformer oder Feldgeräte, die selbst als eigensicheres Betriebsmittel zugelassen sind.
Das eigensichere System: Nachweis der Gesamtsicherheit
Eigensicherheit ist keine Eigenschaft eines einzelnen Geräts, sondern eines Systems. Der Nachweis, dass das Gesamtsystem eigensicher ist, erfolgt über den sogenannten Eigensicherheitsnachweis:
- Maximalwerte für Spannung (Uo) und Strom (Io) des speisenden Geräts
- Maximalwerte für Kapazität (Co) und Induktivität (Lo) im Ex-Bereich
- Diese Parameter dürfen die Kennwerte des Feldgeräts (Ci, Li) nicht überschreiten
Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, ist das System als eigensicher zu betrachten und zertifizierbar.
Vorteile der Eigensicherheit
- ✅ Wartung unter Spannung möglich: Messungen, Kalibrierungen und Anschlussarbeiten dürfen bei Ex ia/ib im laufenden Betrieb durchgeführt werden
- ✅ Leichte Geräte und Kabel: Keine aufwändigen Sonderkabel oder schwere Gehäuse nötig
- ✅ Kostengünstige Installationen: Normales Installationsmaterial oft verwendbar
- ✅ Hohe Systemsicherheit: Keine Explosionsgefahr durch das elektrische System selbst
- ✅ Zone 0 möglich: Einzige Zündschutzart für Geräte in Zone 0 (mit Ex ia)
Typische Anwendungen
Eigensichere Systeme finden sich überall dort, wo Messtechnik und Steuerungstechnik in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden:
- Druckmessumformer in Rohrleitungen
- Temperatursensoren (Thermoelemente, PT100)
- Füllstandsmessung in Tanks
- Gaswarnanlagen
- Positionsschalter und Näherungssensoren
- HART-Kommunikation und Feldbussysteme
Normen und Zertifizierung
Die relevanten Normen für eigensichere Geräte und Systeme sind:
- IEC 60079–11: Elektrische Betriebsmittel für explosionsgefährdete Bereiche – Eigensicherheit “i”
- IEC 60079–14: Projektierung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen
- IEC 60079–17: Prüfung und Instandhaltung elektrischer Anlagen
- EN IEC 60079–25: Eigensichere elektrische Systeme
Geräte benötigen eine Baumusterprüfbescheinigung einer benannten Stelle (Notified Body) wie PTB, BVS oder TÜV. Systeme erfordern einen Eigensicherheitsnachweis, der vom Planer oder Errichter zu erstellen ist.
Fazit
Die Eigensicherheit ist aus gutem Grund die am weitesten verbreitete Zündschutzart in der Prozessindustrie. Ihre Stärken – Wartung unter Betrieb, leichte Installation und maximale Sicherheit in Zone 0 – machen sie zur ersten Wahl für Mess- und Steuerungstechnik in explosionsgefährdeten Bereichen.
Haben Sie Fragen zur Eigensicherheit oder benötigen Sie Unterstützung bei der Auslegung eigensicherer Systeme? Kontaktieren Sie mich – ich helfe Ihnen gerne weiter.

